Downwind - Ein Erfahrungsbericht

„Der Wind steht gut, lass uns mal nen Downwinder machen“. So oft ich diese Worte höre, so oft schüttel ich mich innerlich. Ausgerüstet mit teuren Boards und minimalem Sicherheits-Equipment gehen Leute bei Windstärken aufs Wasswr und machen sich leichtsinnig zum Spielball der Fluten. Downwind - Die Königsdisziplin an unserer Förde, aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

 

Julia, seit 2017 mit dem SUP-Virus infiziert nur noch operativ von ihrem Board zu trennen teilt freundlicherweise ihre ersten Downwind-Erfahrungen mit uns. eine schöne und lustige Geschichte.

meine ersten Downwind-Erfahrungen

Meine ersten Downwinderfahrung” habe ich vor einem Jahr gemacht . Wenn ich heute daran denke muss ich mich fragen, ob ich damals eigentlich noch alle Tassen im Schrank hatte.. 

Das ganze war eine spontane Idee. Drei Freunde, erfahrene Paddler mit guter Kondition, freuten sich wie kleine Kinder über Westwind der Stärke 7 und und die damit einhergehenden knapp 1 Meter Welle und waren wild entschlossen von Flensburg nach Schausende zu paddeln. Immerhin 16 km.

Ich hatte mein Board (ein hübsches türkisfarbenes Isup) ca 4 Wochen . Mir sagte Downwindpaddeln genau nichts.Ich war nur erstaunt über die Begeisterung der Kollegen. Muss ja was ganz tolles sein , dachte ich und stand ein wenig verloren im Weg herum während sie sich mit leash und Restube präparierten.

Irgendwann hatte jemand die Idee mich mit zu nehmen. Ein Wort gab das andere und eh ich mich's versah war ich auch mit einem spiralförmigen Plastigseil an mein Board gekettet und man schwärmte davon, dass 16 km gar keine Anstrengung bedeuten und man die Arbeit ja durch die Wellen machen lassen könnte. Ich war natürlich irgendwie froh, nicht alleine zurückbleiben zu müssen und von dem, was dir drei da gerade als Königsdisziplin auslobten ausgeschlossen zu sein . Meine größte Angst waren tatsächlich die 16 km. Brav hinkte ich (ich hatte die leash sicherheitshalber schon oben am Parkplatz umgebunden) hinter den anderen her, zum Wasser.

 

Natürlich waren sie alle sofort schneller, sie hatten nicht nur die besseren Boards , sondern eindeutig die bessere Paddeltechnik und mehr Kraft. Aber das machte mir keine Sorgen. Ich dachte, wenn wir hier aus der Landabdeckung, wie sie es nannten, heraus sind und wir endlich auf den versprochen Wind treffen, habe ich und natürlich auch mein Board und erst recht wir beide zusammen deutlich mehr Segelfläche. Ich würde die locker wieder einholen. 

Der Mangel an Technik...

 

Aber der Mangel an Technik machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Wärend die drei jubelnd mit ein 2 Paddelschlägen eine Welle nach der anderen mitnahmen und sich schieben ließen, paddelte ich mir einen Wolf. Ich paddelte gefühlt um mein Leben und hatte das Gefühl die Wellen kommen von allen Seiten,( was aber sicher daran lag, dass ich nicht geradeaus paddeln konnte und mich mit 2 bis 3 Paddelschlägen schon fast wieder quer zur Welle dreht). Ich hatte nicht das Gefühl dass diese Wellen 80 cm hoch sind, eher 1,80 Meter.

Wie eine geisteskranke paddelte ich und wäre um ein Haar an den Ochseninseln vorbeigeschossen, an denen wir uns zum Zwischenstopp verabredet hatten. Nun musste ich also sehen, dass ich quer zur Welle Richtung Norden paddelte, um das sichere Eiland doch noch zu erreichen. Der Wind drückte mich immer weiter und ich sah mich schon in Schweden stranden. 

Irgendwie ist es mir gelungen anzulegen. Jetzt würde es gleich richtig los gehen, wurde ich freudestrahlend begrüßt .Gleich könnte ich erleben, wie großartig das ist, wenn man Welle für Welle mitnimmt. Das war der Moment, wo mir klar wurde, dass ich größere Probleme als die 16 km bekommen würde. Aber Aussteigen ging jetzt nicht mehr. Schließlich saß ich ja auf einer verlassenen Insel und gegen den Wind zurück ist eine ganz schlechte Idee. Das hatte n mir die letzten Meter zur Ochseninsel klar gemacht.. .

Also habe ich nichts gesagt und bin tapfer wieder auf mein Board geklettert. 

Binnen kürzester Zeit war die Gruppe auseinander getrieben...

In kürzester Zeit war unsere Gruppe weit auseinander getrieben. Ich natürlich ganz hinten. Ich sah zwar, dass der ein oder andere versuchte auf mich zu warten, aber das schien nicht so einfach möglich zu sein. Ich paddelte wie wild, manchmal erwischte mich eine Welle, der ich trotz meines katastrophalen Timings nicht entgehen konnte und ich schoss pfeilschnell nach vorne, nur um gleich mit der Nose meines Boards in die nächste Welle einzutauchen. Das schlagartige Bremsen stellte maximale Anforderungen an mein Gleichgewicht. Mehr als einmal konnte ich mich nur mit Ach und Krach auf die Knie fallen lassen. Oft stand ich bis zu den Knöcheln im Wasser (obwohl mein Board mehr als genug Volumen hatte), bis mich die nächste Welle wieder aus den Fluten hievte und ich spritzend auftauchte, wie die “Flying Dutchman” aus dem Pazifik.

Irgendwie habe ich es bis Schausende geschafft! Stolz wie Bolle, dass ich nicht reingefallen bin (was an ein absolutes Wunder grenzt). Und ja klar, die ein oder andere Welle hat echt Spaß gemacht. Aber ganz ehrlich - die Begeisterung konnte ich jetzt nicht ganz verstehen. Ok vielleicht wenn man auf Nahtoderfahrung steht? 

Ein Downwind-Kurs weckt die Leidenschaft...

Heute Ein Jahr und etliche hundert Paddelkilometer später bin ich nicht mehr stolz auf meinen Leichtsinn, aber die Erinnerung an die ein oder andere Welle und die Herausforderung reizen mich es noch einmal zu versuchen... 

Diesmal soll es aber vernünftig ablaufen. Unter Anleitung und auf einem geeigneten Board.

Ich melde mich also für den Downwind Kurs Level 1 bei Paddles & Fins in Wassersleben an und stehe mit gemischten Gefühlen wieder am Strand.

Ich habe wirklich Lust, aus dem Hausfrauenpaddelstatus heraus zu kommen, mal was aufregendes zu paddeln, zu schauen wie gut ich mein Board inzwischen unter Kontrolle habe. Daher freue ich mich auf den Kurs. Hin und wieder schieben sich aber wieder Bilder von meinem ersten Versuch vor mein inneres Auge (Ich bin eine Nussschale… ).

Der Wind ist nicht zu merken (Landabdeckung.) Wir bekommen erklärt wie die Restube funktioniert, wie wir die Welle anpaddeln uns auf dem Board bewegen müssen. Wir üben den Ablauf am Ufer. Die Route wird besprochen, mehrere Zwischenstopps eingeplant. Wir sind 4 Schüler und nur mit Zwischenstopps ist gewährleistet, dass die Gruppe einigermaßen beisammen bleibt. 

Keiner fühlt sich überfordert

Die ersten hundert Meter sind entspannt, kein Wind, keine Welle… aber dann geht es langsam los. Je weiter raus wir kommen, desto größer werden die Wellen. Noch haben sie nicht genug Druck um uns mitzunehmen, aber wir üben schon mal das richtige Timing.

Beim ersten Zwischenstopp sind noch alle ganz entspannt. Keiner fühlt sich überfordert alle haben jetzt Bock auf mehr Welle. Also geht es nach kurzer Pause wieder raus aufs Wasser. Jetzt werden die Wellen höher, der Druck dahinter ist zu spüren und hin und wieder hat man schon das Gefühl, ein Stück mitgenommen zu werden. Natürlich ist es am Anfang nicht einfach, richtig los zu paddeln und dann rechtzeitig den Schritt zurück zu machen, aber nicht zu weit, um den Schwung nicht heraus zu nehmen. Ich kämpfe Welle für Welle. Aber nicht mehr um mein Leben sondern jetzt für den Kick. Wenn mich eine Welle ein paar Meter mitnimmt, könnte ich aus vollem Hals "Huiiii" schreien.

Beim nächsten Stopp haben alle glänzende Augen. Jeder hat wenigstens hin und wieder eine Welle so bekommen, dass er weiß was das Ziel ist. Nicht die Ochseninseln - jede einzelne Welle ist das Ziel!

Christoph, unser SUP Coach, hatte uns die ganze Zeit im Blick. Jetzt gibt er uns jedem Einzelnen die letzten Tipps, die er uns gegen den Wind draußen nicht zu schreien konnte.

Auf der letzten Etappe würde der Wind noch einmal zunehmen und die Wellen höher werden. Wer sich jetzt nicht auf seinem Board bewegt, wird unweigerlich vorne mit der Nose eintauchen und einen formvollendeten Abgang hinlegen. Auf dem Wasser ist gleich jeder wieder auf der Jagd nach den besten Wellen. Das Timing klappt, das Bewegen noch nicht immer. Aber das Ding läuft. Ich weiß jetzt schon, was die drei vor einem Jahr so begeistert hat. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich hätte letztes Jahr schon gewusst was ich jetzt weiß … 

Da kommt eine Welle sie ist toll das sehe ich. Ich konzentriere mich, gebe Gas. Die Welle erwischt mich, oder soll ich jetzt mal ganz stolz sagen: Ich erwische sie? Sie trägt mich, sie hört gar nicht mehr auf. Sie verebbt nicht, wie die anderen, ich bin im siebten Himmel, das könnte ewig so weitergehen. Ich richte mich auf schaue nach vorne und begreife warum die Welle so einen Druck hat. Die große Ochseninsel kommt in atemberaubender Geschwindigkeit auf mich zu. Das Wasser ist hier nicht mehr tief, daher die tolle Welle…

Langsam sollte ich bremsen, aber ich will nicht. Würde mal bitte jetzt jemand diese Insel da weg nehmen, sie liegt mir im Weg…

Nur noch ein paar Meter. Ich gehe ein Schritt zurück, drücke das Paddel hinter mir ins Wasser und lasse die Welle unter mir durch - schaue ihr nach wie sie sich an der Insel bricht..

Das war mal irre!!!

Grinsend von einem Ohr zum anderen

Absolut erschöpft, aber mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen, lasse ich mich durch den Abholservice zurück nach Wassersleben fahren. 

Das war eine ganz andere Nummer als beim ersten Mal. Ok, selbst schuld, könnte man sagen. Hat mich ja keiner gezwungen beim ersten Mal mitzumachen. Aber mir hat auch keiner gesagt, was man alles beachten muss und was man alles falsch machen kann.

Das war diese mal eindeutig anders. Downwind ist das Beste was uns hier an der Ostsee passieren kann, aber auch eindeutig das Anspruchsvollste. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, 4 Wochen Paddelerfahrung reichen eindeutig nicht für solche Touren. Man sollte schon sicher sein was man tut sich auf seinem Board bewegen und verschiedene paddelschläge intuitiv ausführen können. Und ein wenig Kondition kann auch nicht schaden. Dann empfehle ich einen Kurs bei dem man gezielt, Schritt für Schritt auf das Kommende vorbereitet wird. Außerdem ist es ein beruhigendes Gefühl jemand an seiner Seite zu haben, der in dem Moment auf einen achtet und Hilfestellung gibt und nicht seinen eigenes Vergnügen in den Vordergrund stellt. Und nicht zuletzt der gut organisierte Abholservice ist Gold wert. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass ich patschnass mit Board unter dem Arm noch auf einen Bus oder ein Taxi warten muss. Am Ende einer solchen Tour ist man froh, wenn man einfach nur sitzen kann und zuverlässig wieder nach Hause gebracht wird. 

Wir hätten es besser nicht sagen können...

Wir bieten regelmäßig Downwind-Schulungen und -Touren an. Anders als bei dem normalen Board ausliehen, ist bei unseren Dornwind-Touren eine Qualifikation notwendig. Diese haben wir unterteilt in Level 1 - Level 3.

Level 1 bedeutet bei uns auf der Flensburger Förde einfachere Dornwind-Bedingungen bis ca. Windstärke 6 in den Böen, kurze Strecke bis ca. 8 Kilometer. Mit dem Workshop fängt man bei uns an und kann danach aller Touren mit Level 1 mitfahren. 

Infos zu den Schulungen findet Ihr hier...